Kuba – Königin der Karibik mit morbidem Charme
Kuba – schon der bloße Name weckt unwillkürlich exotische Assoziationen von Zigarren, Rum, Cocktails, Oldtimern, diesem unvergleichlichem Vergilbtem Charme und natürlich der Musik dieser Insel.
Kuba – schon der bloße Name weckt unwillkürlich exotische Assoziationen von Zigarren, Rum, Cocktails, Oldtimern, diesem unvergleichlichem Vergilbtem Charme und natürlich der Musik dieser Insel. Der „Buena Vista Social Club“ ist nur eines der prominenteren Beispiele dafür.
Bedingt durch Jahrzehntelange Isolation und den Kommunismus mit allen wirtschaftlichen Folgen einer Planwirtschaft, hat diese Insel weit mehr Potenzial als reale Möglichkeiten – und das gilt insbesondere für den Kaffee. Ich erinnere mich noch genau an meinen ersten Kaffee von Kuba – schon damals im Jahr 2000 besaß Kuba dieses einzigartige nostalgische Lebensgefühl und weit weniger Qualitätskaffee, als schon damals Nachfrage dafür bestand. Denn mit jedem Sack Kaffee verkauften die Kubaner auch ein Stückchen eben dieses Images. Der „Turquino“ schmeckte nach Tabak und Rosinen – ob schon aus der Erwartungshaltung heraus oder nicht – und hatte ausgeprägte nussige Noten. Ein sehr runder, angenehmer Kaffee. Schon bei der ersten Nachlieferung kam ein ganz anderer Kaffee zum Vorschein – flach, nichtssagend und enttäuschend – und die Erkenntnis, dass guter kubanischer Kaffee nicht so einfach zu erhalten war und starken Qualitätsschwankungen unterlag.
Die erste Kaffeepflanze gelangte im Jahr 1748 durch José Antonio Gelabert nach Kuba. Er legte eine Plantage in Wajay am Rand von Havanna an. Seine Pflanzen stammten aus Santo Domingo (heute: Dominikanische Republik) und sie zählen damit zu den ältesten kultivierten Typica-Varietäten weltweit. Im Jahr 1791 erlebte der Kaffeeanbau einen Aufschwung, bedingt durch französische Kolonisten, die vor der Haiti-Revolution flohen und bessere Produktionsmethoden und Kaffeepflanzen nach Kuba brachten. Die Hauptanbaugebiete lagen in Santiago de Cuba, Las Villas, Candelaria und Las Terrazas in Pinar del Rio. Die durch den Kaffeeanbau im 19. Und 20. Jahrhundert geprägten Anbaugebiete im Osten Kubas stehen seit 2000 auf der UNESCO Weltkulturerbe-Liste, als „einzigartige durch Kaffeeanbau geprägte Kulturlandschaften“. 171 Kaffeeplantagen oder „cafetales“ sind darin enthalten, sowie die Infrastruktur für Bewässerung, das gesamte Transportnetz von Bergstraßen und Brücken mit einer Gesamtfläche von 81.475 Hektar, das sich über die Verwaltungsdistrikte von Guantanamo und Santiago de Cuba erstreckt. Inmitten dieses einzigartigen Gebietes finden sich neben dem Museum „La Isabelica“, dem Haus der „Ti Alba Farm“ und dem Garten von „San Juan de Escoia“ zahlreiche Ruinen ehemaliger Plantagen, mit den Häusern der ehemaligen Besitzer, Trocknungshöfen, Verarbeitungsanlagen sowie den Arbeiterquartieren.
Die französischen Siedler (meist mit Wurzeln aus dem Baskenland) brachten die „Nasse Aufbereitung“ in dieses Gebiet, wovon noch zahlreiche hydraulische Einrichtungen, Zisternen, Aquädukte und Fermentationsbecken zeugen. Sie bauten dort im 18. und 19. Jahrhundert den Kaffee unter Schattenbäumen an, die sich aus natürlich wachsenden Waldbäumen und gezielt angepflanzten Obst- und Zierbäumen in die natürliche Flora eingliederten. Diese Einbindung von Landwirtschaft in Primärwald gilt als Zeitzeuge einer Ära, deren Spuren ansonsten weltweit weitestgehend verschwunden sind. Nur durch die Aufgabe des Anbaus von Kaffee im frühen 20. Jahrhundert – bedingt durch politische Unruhen gegen die französischstämmigen Siedler und dem zeitgleichen Aufstieg des Zuckerrohranbaus – wurde diese einzigartige Struktur erhalten, da die traditionellen Anbaumethoden zu diesem Zeitpunkt mit den moderneren Produktionsweisen nicht mehr konkurrenzfähig waren, die inzwischen in anderen lateinamerikanischen Ländern vorherrschten. Kuba exportierte zu Hochzeiten der Kaffeeproduktion rund 330.000 Sack (60 kg) Kaffee, zumeist nach Europa, insbesondere nach Deutschland und in die Niederlande. Bedingt durch die Kubanische Revolution von 1959, sank die Kaffeeproduktion drastisch ab – was dazu führte, dass kubanische Kaffeeproduzenten dem Kaffee geröstete Erbsen zusetzten, um überhaupt noch ausreichende Mengen an Kaffee anbieten zu können.
ALS SPEZIALITÄTENKAFFEES KUBAS GELTEN INSBESONDERE DIE FOLGENDEN BOHNEN:
Cubita körperreicher Kaffee mit vielen Gewürztönen und Nüssen. Milder Nachgeschmack.
Turquino kräftige Rosinen-, Nuss- und Tabaknoten mit vollem Körper und lang anhaltendem Nachgeschmack.
Serrano mit typischen Noten von Karamell, die besonders unter Milchzugabe zum Tragen kommen. Wie fast alle kubanischen Kaffees mit sehr sanftem Nachgeschmack und gutem Körper.
Estrella del Norte (Sierra-Maestra-Gebirge) in rund 1.300 m Höhe. Das Geschmacksprofil wird mit Tönen von Schokolade, Nüssen, einem vollmundigen Körper und einem sanften Nachgeschmack beschrieben.
Kaffee aus Kuba: Für den Export stehen nur rund 11.000 Sack (60 kg) zur Verfügung.
Wie in jedem kaffeeproduzierenden Land hat auch Kuba seine ganz eigenen Trinkgewohnheiten, wenn es um Kaffee geht. Die Getränke sind zumeist Espresso-basiert und werden vorwiegend mit Zucker und Milch getrunken. Besonders hervorzuheben sind die folgenden vier typischen Kaffeegetränke. Der Kubaner selbst trinkt Kaffee zumeist morgens als „café con leche“, ein Milchkaffee mit einem höheren Milchanteil mit ca. 80 Prozent Milch und 20 Prozent Kaffee, gemischt mit etwas Salz und reichlich Zucker. Dazu wird kubanisches Brot mit Butter gegessen. Dabei werden der Kaffee und die Milch meist getrennt serviert – zum einen der schwarze Kaffee und in einem kleinen Kännchen dazu die erhitzte Milch.
Cortadito: „Kleiner Schnitt“ – ein Espresso, der mit aufgeschäumter Milch bedeckt ist.
Café Cubano: (oder auch Cafecito genannt) wird nach dem Mittagessen oder Abendessen getrunken und ähnelt einem Espresso. Er wird eigentlich immer mit einem Glas Wasser serviert und man lässt ihn bei der Zubereitung direkt auf Demerara-Zucker laufen, der zuvor in die Tasse gegeben wird. Der heiße Espresso löst dabei den Zucker auf – meist werden die Zutaten dabei verrührt. Dadurch entsteht das sogenannte espumita (Schäumchen), das später auf dem Getränk schwimmt.
Colada: ist eine besondere Version eines vier- bis sechsfachen Espresso, der aus einer großen Tasse gemeinsam getrunken wird. Häufig wird dazu Zigarre geraucht und die Spitze der Zigarre in den Espresso getaucht.
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Dr. Steffen Schwarz ist international anerkannter Experte im Breich Kaffee, Unternehmer und Dozent.
Als Gründer des Coffee Consulate in Mannheim widmet er sich seit vielen Jahren der Aus- und Weiterbildung von Fachkräften entlang der gesamten Wertschöpfungskette des Kaffees. Seine Arbeit verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse mit praktischer Erfahrung und umfasst Themen wie Kaffeequalität, Sensorik, nachhaltigen Anbau sowie die Verarbeitung und Zubereitung von Kaffee.
Mit seiner langjährigen Expertise berät er Unternehmen weltweit, entwickelt Bildungsprogramme für die Kaffeebranche und engagiert sich für einen verantwortungsvollen und qualitätsorientierten Umgang mit Kaffee. Als Autor vermittelt Dr. Steffen Schwarz komplexes Fachwissen verständlich und praxisnah und eröffnet seinen Leserinnen und Lesern neue Perspektiven auf eines der faszinierendsten Genussmittel der Welt.