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Provenienzen | Anbautypen

Artikel vom 9. November 2018

Anbautypen

TERRASSEN-ANBAU/ COSTA-RICA-SCHNITT
Bei dieser Anbauart werden die Pflanzen im dreijährigen Zyklus zurückgeschnitten um so einen möglichst homogenen Ertrag zu realisieren. Normalerweise macht der Rückschnitt auf Plantagen etwa 10-15% aus, beim Costa-Rica-Schnitt ist es jeweils rund ein Drittel des Pflanzenbestandes. Die Pflanzen werden in Reihen angepflanzt und in jeder dritten Reihe zurückgeschnitten. Dadurch ergibt sich ein kaskadenförmiges Bild wenn man seitlich auf die Anbaureihen der Pflanzung blickt. Die Erträge werden so sehr gleichmäßig gehalten und der regelmäßige Rückschnitt hält die Pflanzen jung und ertragreich, schließlich blüht die Pflanze an jeder Stelle der Äste nur ein einziges Mal.

FULLY-SUN
Es gibt Kaffeearten, die gut mit starker Sonneneinstrahlung zurechtkommen. Die Coffea arabica zählt von Natur aus nicht dazu, im Gegensatz zur Coffea canephora. Heute gibt es zahlreiche Arabica-Varietäten die Teile der Canephora-Gene enthalten und daher auch in praller Sonne gedeihen können (Icatu, Catimor). Diese Entwicklung förderte auch die Forschung an der Kaffeepflanze, vorerst mit der Coffea liberica, die ähnlich wie die Coffea canephora (die zu diesem Zeitpunkt noch nicht entdeckt war) besser für niedrigere Lagen geeignet und weitgehend resistent gegen Mehltau ist. Später erfolgten die Introgressionsversuche mit Coffea canephora Die Ergebnisse sind zahlreiche Hybride, die der Coffea arabica zugeordnet werden und weitestgehend deren aromatische Qualitäten übernommen haben, jedoch wie Coffea canephora in voller Sonne gedeihen. Der Vorteil dieser Anbaumethode ist eine größere Grundfläche, die mit Kaffee bestockt werden kann und die Kirsche reift schneller. Die Nachteile dieser Methode sind zahlreich: Verlust der Biodiversität, Schädlingsausbreitung in der großen Monokultur, Auslaugung des Bodens. Dadurch muss auf diesen Plantagen oft gedüngt und Pestizide ausgebracht werden. Dieser Aufwand generiert bei fully-sun Kaffeeplantagen bis zu einem Fünftel der Produktionskosten.

SCHATTENANBAU
In vielen Ländern wachsen die Kaffeepflanzen zwischen anderen Pflanzen und Bäumen von denen sie beschattet werden. Diese Anbauform bringt weniger Ertrag mit sich als der Anbau in der Sonne, was an der langsameren Reifung der Kaffeekirschen im Schatten liegt. Die Schattenbäume schwächen die Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht ab, schützen vor Frost und Wind, reduzieren das Unkrautwachstum und beugen der Bodenerosion vor. Sie entziehen dem Boden Mineralien, führen ihm durch Laub aber auch wieder welche zu. Schattenbäume mit sehr tiefreichenden Wurzeln treten nicht mit den Kaffeepflanzen in Nährstoffkonkurrenz. Schattenbäume können die Intensität der Sonneneinstrahlung erheblich reduzieren (abhängig von der Anbauhöhe). Beschattete Plantagen weisen eine höhere Biodiversität auf, weniger Unkraut, mehr Insekten, eine bessere, gleichmäßige Feuchtigkeit und eine bessere Versorgung der Kaffeepflanzen mit Nährstoffen, da die Bäume Mineralien aus tieferen Bodenschichten ziehen und diese über ihr Laub an den Boden und somit an die Kaffeepflanze wieder abgeben. Der Ursprung der Coffea arabica verdeutlicht, daß der beschattete Anbau von Kaffee die ursprünglichste Art ist die Pflanze zu kultivieren. In Äthiopien waren die Kaffeepflanzen sehr begrenzt in zwei Bergwaldgebieten verbreitet – in einem Umfeld, das reichlich Schatten bietet.

GARTEN-ANBAU / GARTEN-KAFFEE
Hier wird Kaffee meist wild oder weitgehend ungeordnet kultiviert. Der Kaffee wächst, wo die natürlichen Gegebenheiten seinen Anforderungen entsprechen. Verbreitet ist dieser Anbau in Äthiopien, einem Land mit vielen Wildkaffees. Man unterscheidet dort zwischen Garden- und Forest-Kaffee je nach Wildwüchsigkeit des Kaffees. Meist bewirtschaftet ein einzelner Bewohner dort einige vereinzelte Kaffeebäume, die teils viele und teils nur wenig Erträge bringen. Die Bäume werden selten gepflegt oder zurückgeschnitten, was gerade bei alten Bäumen zu sehr niedrigen Erträgen führt. Beim Garten-Anbau hat man sehr wenig Probleme mit Schädlingen, da sich diese meist in den großen Monokulturen aufhalten, allerdings hat man auch unbeständige Erträge, kein genaues Wissen über die Pflanzenvarietät, die an dieser Stelle eigentlich wächst und eine unvollständige Pflege der Nutzpflanzen. Große Plantagen stellen in Äthiopien eher die Ausnahme dar. Die große Mehrheit der Erzeuger sind Kleinbau-ern, die in einer Subsidiarwirtschaft Kaffee erzeugen um damit ein Handels- oder Verkaufsprodukt zu besitzen.

Dies ist ein kleiner Auszug aus dem Einzelworkshop Provenienzen.
https://coffee-consulate.com/de/sensorik/
Den nächsten Workshop finden Sie unter der Rubrik „Termine“.

Bei Fragen wenden Sie sich gerne an: info@coffee-consulate.com

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