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Forschung

Die Kaffeevarietät Pacamara

Artikel vom 5. Oktober 2017

Abbildung 1,2: Größenvergleich zwischen Pacamara und Bourbon Tekisic aus El Salvador

Die Kaffeevarietät Pacamara ist eine innerartliche, nicht natürlich entstandene Kreuzung zweier Arabicavarietäten, die ihrerseits aus zwei verschiedenen Abstammungslinien entspringen. Diese beiden Varietäten, einerseits Pacas als Vertreter der Bourbonlinie und roter Maragogype aus der Typicalinie, bringen völlig unterschiedliche geschmackliche und phänotypische Merkmale mit sich.

Die Genetik des Typica (Coffea arabica var. arabica) geht auf Kaffeepflanzen aus dem Yemen zurück und bildete die abstammungsgeschichtliche Basis der ersten amerikanischen und asiatischen Kaffeeplantagen.

Die Bourbonlinie (Coffea arabica var. bourbon) wurde von der Insel Bourbon, heutiger Name La Réunion, östlich von Madagaskar verbreitet und stammt namentlich vom Adelsgeschlecht der Bourbonen ab. Diese stellen noch heute die Staatsoberhäupter von Spanien und Luxemburg. Botaniker vermuten, dass es sich bei der Bourbonlinie um eine natürlich aufgetretene Mutation, von aus dem Yemen stammenden Kaffeepflanzen handelt, die auf die Insel La Réunion gebracht wurden. Das Kultivar Pacamara, namentlich jeweils auf die vier Anfangsbuchstaben der Elternpflanzen Pacas und Maragogype zurückgehend, nimmt dadurch eine abstammunsgeschichtliche Position zwischen den beiden Stammlinien Typicia und Bourbon ein.

Die Zucht und Selektion dieser Varietät begann 1958 in der genetischen Abteilung des el salvadorianischen Institut für Kaffeeforschung(ISIC) mit dem Hintergrund gezielte Verbesserungen durch die Hybridisierung verschiedener Kaffeevarietäten zu erhalten. Einer ihrer hervorragenden Zuchterfolge war die Kreuzung von Pacas und Maragogype in der vierten Generation (F4). Mit diesem innerartlichen Kreuzungskonzept versuchten die Wissenschaftler die erwünschten Eigenschaften des Pacas, wie geringere Wuchshöhe, kürzere Internodien, höhere Produktivität, sowie dessen Anpassungsfähigkeit in Bezug auf lokale Bedingungen und seine Fähigkeit Wind, Sonnenlicht und Dürren zu trotzen, mit der Vitalität, der Üppigkeit der großen Blätter, der größeren Bohnen, sowie die bessere geschmackliche Qualität in der Tasse des Maragogype, zu verbinden.

Diese Arbeit beinhaltete die Selektion von neun verschiedenen Pacamaralinien, welche gemäß ihrer phänotypischen Besonderheiten, Produktivität, Ertrag, Fruchtgröße und ihrer Anpassungsfähigkeit in verschiedenen Anbaugebieten zu gedeihen, bewertet wurden. Anschließend wurden diese neun Linien vereint, um ein neues Kultivar, die Varietät Pacamara zu erhalten. Nachdem die Nachkommen 30 Jahre lang bewertet wurden, begann die ISIC mit dem Verteilen der fünften Generation(F5) dieser Kreuzung, auch wenn sich immernoch 12%-15% der Pflanzen in Pacas und Maragogype aufspalten. Dieses Problem wurde jedoch durch sorgfältige Auslese im Sämlingsstadium gelöst. Die Begründung dieses Phänomens ist, dass beide Elternteile dominante Gene tragen, die sich bei einem Teil der Nachkommen durchsetzen.

Betrachtet man die beiden Elternteile genauer, fällt auf das es sich bei Pacas um eine natürlich aufgetretene Spontanmutation und nicht wie ursprünglich angenommen, um eine Kreuzung aus Typica und San Ramòn handelt. Das konnte belegt werden, da die Nachkommen des Pacas keine phänotypischen Aufspaltungen zeigten.Der rote Maragogype ist eine Mutation des Typica und auch als der Riese unter den Arabicas bekannt. Diese Varietät tauchte erstmals 1870 in der Provinz Maragogipe in Bahia, Brasilien auf. Die Struktur der Pflanze ist offen und ungeordnet. Die Erträge sind eher gering, die Geschmack in der Tasse jedoch bemerkenswert.

Limitierende Faktoren der Varietät:

• Benötigt eine gewisse Anbauhöhe, um optimale Produktionsbedingungen zu gewährleiten
• Stabilität und Aufspaltung der Nachkommen in elterliche Phänotypen
• Höhere Anfälligkeit für Fusarium oder Phoma costaricensis und den Kaffeerost (Hemileia vastrix)
• Spätere Reife der Kaffeekirschen

Das hat jedoch auch den positiven Aspekt, dass separat verarbeitet werden kann und die Prozesse an die Bohnengröße angepasst werden können, da die kleineren Bohnen schon früher reif wurden und schon verarbeitet sind.

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