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crema-Magazin | Spanien

Artikel vom 9. August 2018

SPANIEN
Der erste Spanier, der nachweislich Kaffee trank, war ein Mönch. Mehr als 300 Jahre später heißt eine der besten Röstereien auf der iberischen Halbinsel Satan’s Coffee.

Text: Dr. Steffen Schwarz

Kaffee und der Genuss der zahlreichen spanischen Kaffeegetränke ist ein fester Bestandteil des spanischen Lebens. Nach Angaben der FEC (Federa-ción Española del Café – der Spanischen Kaffeevereinigung) ist der erste Spanier, der nachweislich Kaffee trank der Jesuitenmönch Pedro Paez gewesen. Er soll das Getränk im 17. Jahrhundert während seiner Gefangenschaft im heutigen Äthiopien kennengelernt haben. In seinen Memoiren „Erinnerungen an Äthiopien“ beschreibt er das Getränk als „dunklen, bitteren Sud“. Es sollte aber noch über 100 Jahre dauern, bis das Getränk vom Herrschergeschlecht der Bourbonen in Spanien offiziell eingeführt wurde.

Das erste Café in Spanien wurde ironischerweise im Jahr 1764 ausgerechnet von den italienischen Brüdern Gippini in Madrid eröffnet. Die Spanier erkannten schnell die Vorzüge des Getränks und so wurden in kurzer Zeit zahlreiche weitere Kaffeehäuser eröffnet: in Barcelona, La Coruna, Bilbao, Valencia und Cartagena. In der Folgezeit verbreiteten sie sich über das ganze Land.

Die Spanier konsumierten im Jahr 2007 rund 24.000.000 Tassen Kaffee (Quelle: Federación Española del Café), was einen Pro-Kopf-Verbrauch von rund 600 Tassen bedeutet. Dennoch ist der Verbrauch seit 2010 bis heute leicht rückläufig und sank immerhin von knapp 4,0 kg (3,2 kg Bohnenkaffee, 0,8 kg Instantkaffee) auf 3,6 kg (2,9 kg Bohnenkaffee, 0,7 kg Instantkaffee).

TRADITION SEIT JAHRHUNDERTEN
Die meisten Kaffeehausketten in den spanischen Großstädten haben italienische Wurzeln und werden von zahlreichen spanischen Kaffeeliebhabern regelmäßig aufgesucht. Dennoch bestehen auch weiterhin die alteingesessenen lokalen Kaffeehäuser mit Tradition, die seit Jahrhunderten Kaffee anbieten.

Café Comercial
Das Café Comercial ist ein Café in der Glorieta de Bilbao im Zentrum von Madrid. Es ist eines der ältesten Cafés der Stadt, gegründet am 21. März 1887 von Don Antonio Gómez Fernández. In der Zeit nach dem spanischen Bürgerkrieg war es Zentrum von literarischen Diskussionen und ist heute ein Überbleibsel aus Madrids goldenem Zeitalter. Es war aber auch eines der ersten Madrider Cafés, das Frauen beschäftigte. Das Café hat zwei Eingänge, einer davon mit Drehtür und Blick auf die Glorieta de Bilbao. Große Fenster bieten von der Straße einen Blick auf das Comercial und umgekehrt. Das Gebäude hat zwei Stockwerke und im Obergeschoss befindet sich ein Schachclub, der „Club de Ajedrez Café Comercial“, dort sind Schachbretter jederzeit verfügbar. Das Gebäude wurde im Jahr 1953 umgebaut. Es ist berühmt für seine heiße Schokolade mit Churros, frittierte Teigstangen und seine Picatostes (eine Art gebratenes Brot).

In der Zeit vom 27. Juli 2015 bis zum 27. März 2017 war das Café wegen umfassender Renovierungsarbeiten geschlossen und wurde danach neu eröffnet.

Café Gijón
Café Gijón (auch bekannt als Gran Café de Gijón) ist ein kulturell bedeutsames Café am Paseo de Recoletos, dem Hauptboulevard im Zentrum von Madrid. Das Café befindet sich gegenüber dem gleichnamigen Bahnhof und der Spanischen Nationalbibliothek. Die vordere Terrasse liegt direkt am Paseo und bietet einen wunderbaren Ausblick. Es wurde am 15. Mai 1888 von Gumersindo Gómez gegründet (nach anderen Quellen: Gunmersindo García). Trotz bescheidener Anfänge wurde es nach dem Spanischen Bürgerkrieg ein Treffpunkt für Intellektuelle, Schriftsteller und Künstler, die als die Generation von 1936 bekannt sind.
Im Café Gijón finden drei Tertulias statt – die berühmten spanischen Dichtertreffen und Diskussionsrunden:

– La tertulia de los poetas: Eine Dichterecke unter– La tertulia de los poetas: Eine Dichterecke unterder Leitung von Gerardo Diego
– La juventud Creadora: Kreative Jugend oder Garcila-sismo war eine der Hauptströmungen der spanischen Post-Bürgerkrieg-Poesie
– La tertulia de Escritores y Lectores: Von der privaten Kulturinstitution „Ateneo de Madrid“ geleitet, die wissenschaftliche, literarische und künstlerische Talente fördert und sich lose mit der Bewegung Institución Libre de Enseñanz verband, von der die nahegelegene Residen-cia de Estudiantes gegründet wurde.

Der „Café Gijón Preis“ ist ein unabhängiger spanischer Literaturpreis für herausragende Romane. Die Idee, 1949 entstanden und konzipiert von Fernando Fernán Gómez, Gerardo Diego, Camilo José Cela, Enrique Jardiel Poncela und anderen Leitern der Tertulias, war, diese Treffen zu fördern und einen unabhängigen Preis zu schaffen, der mit dem von kommerziellen Verlegern organisierten Nadal-Preis konkurrieren sollte. Die Auszeichnung, die ursprünglich vom Café Gijón vergeben wurde und nun von der Tourismusagentur der nördlichen Hafenstadt Gijón in Asturien finanziert wird, hat eine große Medienaufmerksamkeit erreicht. Der Preis befasst sich nur mit Qualitätsliteratur und der finanziellen Förderung von Autoren, deren Arbeit sonst nicht möglich wäre.

Cafetería Glorieta
Ein weiteres, erwähnenswertes Café ist die „Cafetería Glorieta“ in Valencia, 1957 eröffnet. Aufgrund von Missmanagement und schlechter Qualität beschädigte das Traditionshaus stark seinen Ruf und verlor seine Kundschaft. Gegenwärtig ist das Kaffeehaus leider geschlossen, es soll aber wieder eröffnet werden.

Café Mauri
In Barcelona liegt das von Francesco Mauri gegründete, imposante „Café Mauri“, in dem seit 1929 Kaffee und schokoladengefüllte Croissants sowie andere exquisite Backwaren serviert werden. Eine weitere Spezialität des Hauses sind hausgemachte Bonbons. Die Grundlage aller traditionellen spanischen Kaffeegetränke ist der spanische Röstkaffee, der Café Torrefacto. Die Torrefacto-Röstung ist ein Verfahren, bei dem traditionell in Spanien Kaffeebohnen geröstet werden. Sie unterscheidet sich von anderen Röstungen durch Zuckerzugabe während des Röstprozesses. Ebenso werden deutlich mehr Canephoras verarbeitet, da man in Spanien säurearme Kaffees schätzt. Fruchtige, säurebetonte Kaffees erfreuen sich in Spanien dagegen keiner besonderen Beliebtheit.

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crema-Magazin | Ausgabe 01/2018 | Spanien

Quelle: crema Magazin | Ausgabe 01/2018 | http://www.cremagazin.de | Chefredakteur: Heiko Heinemann | Text: Dr. Steffen Schwarz


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