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Artikel vom 11. April 2019

Die exklusivsten Kaffees der Welt
Sie sind die Haute Couture der Kaffeebranche: Luxuskaffees. Einige Kaffees haben es geschafft zu international anerkannten Raritäten zu avancieren. Aber Achtung: Wo viel Sonne ist, ist auch viel Schatten und bei weit überdurchschnittlichen Marktpreisen lohnt es sich auch schon für den einen oder anderen Anbieter, tief in die Trickkiste zu greifen um ebenfalls an diesem hochlukrativen Geschäft teilnehmen zu können.

Text: Dr. Steffen Schwarz

In vielen Branchen des Lebensmittelhandels gibt es sie – die Dreigliederung des Preises. Dort, wo Spezialitäten und Delikatessen angeboten werden, gliedern sich Preise in normale Verkaufspreise, gehobene Qualitätspreise und in die Exklusiv-Sparte. Niemand wundert sich, wenn Wein günstig als „vin du table“ ohne Appellation angeboten den Verbraucher erreicht und zur gleichen Zeit gehobene Qualitäten zum vielfachen Preis angeboten werden – bedingt durch unterschiedliche Qualität und Verfügbarkeit. Und diese beiden Faktoren machen dann auch noch das Hauptkriterium im Vergleich zur Dritten Kategorie – dem Exklusivbereich – aus. Weine werden dort mit Tausenden von Euro pro Flasche gehandelt und niemand wundert sich oder ist überrascht. Man selbst legt einfach für sich selbst den jeweiligen Wein oder die jeweilige Gruppe fest, aus der man seinen eigenen Wein für verschieden Anlässe erwirbt.

Paradoxerweise scheint diese weltweit gültige Regelung niemandem für Kaffee nachvollziehbar oder logisch zu sein. Kaffee ist eine „commodity“, ein Handelsgut des täglichen Bedarfs, und damit darf Kaffee nicht teuer sein, sonst ist das natürlich eine Spinnerei des jeweiligen Herstellers. Dennoch gibt es diese Kaffees. Kaffees, die aufgrund ihrer besonderen Qualität, Geschichte und geringen Verfügbarkeit Verkaufspreise erzielen, die weit entfernt vom Standardmarkt liegen – teilweise bis über 1.000 Euro pro kg. Auch hier ist es wie beim Wein eine Frage des persönlichen Ermessens, ob man bereit ist, den jeweiligen Verkaufspreis für den einzelnen Kaffee auszugeben oder nicht –die Qualitäten sind alle überdurchschnittlich, wie viel vom Preis von der Geschichte abhängt oder dem Marketing gezollt werden muss, ist jeweils eine andere Frage. Sicher ist, Kaffee besitzt die gleiche Berechtigung wie Wein, die Luxuskategorie anzubieten, ohne dass dies automatisch als verrückt oder Spinnerei abgetan werden sollte. Dennoch ist was die Herkunft betrifft oft Vorsicht geboten und der Geschmack sollte entscheiden, ob man entsprechend tief in den Geldbeutel greifen möchte.

Allen Unkenrufen zum Trotz haben es bereits einige Kaffees geschafft, zu international anerkannten Raritäten der exklusiven Luxusklasse zu avancieren und sich einen Namen zu verschaffen. Sie sind die Haute Couture der Kaffee branche und dienen nicht selten als Aufreißer in den Medien. Aber Achtung: Wo viel Sonne ist, ist auch viel Schatten und bei weit überdurchschnittlichen Marktpreisen lohnt es sich auch schon für den einen oder anderen Anbieter, tief in die Trickkiste zu greifen, um ebenfalls an diesem hochlukrativen Geschäft teilnehmen zu können. Ein besonders günstiges Angebot sollte man daher immer kritisch hinterfragen oder besser noch, nur beim Händler oder Röster Ihres Vertrauens kaufen.

Die bekannteste exklusive Kaffeerarität ist sicherlich der Jamaica Blue Mountain (JBM). Den adelt zwischenzeitlich sogar der Film und lässt James Bond zur Tasse greifen (britischer Bezug natürlich inklusive). Jamaica Blue Mountain gilt unter vielen Kaffeespezialisten als einer der besten Kaffees der Welt. Sein ausbalanciertes Aroma, die ausgeglichene Säure und der vollmundige Körper sowie der angenehme süßliche Nachgeschmack sind sicherlich die Grundlage hierfür. Dennoch ist dieser Kaffee zugleich ein Beispiel für Marketing und Produktmissbrauch. 1953 wurde das Coffee Industry Board von Jamaica (CIB) eingerichtet, mit dem Ziel die Qualität des jamaikanischen Kaffees zu bewahren. Jamaika wurde dadurch zu einem der ersten Anbauländer, das die geografische Lage mit klar definierten Bezeichnungen verband, ähnlich wie bei der AOC (Appellation d Origine Controlleé) der französischen Weinindustrie. Der Export des jamaikanischen Kaffees wird zu 100 Prozent von der CIB abgewickelt, um zu gewährleisten, dass es sich wirklich um Jamaika Blue Mountain handelt. Die berühmtesten Farmen im Blue Mountain District sind Wallenford Estate und Clifton Mount Estate. Clifton Mount ist die älteste produzierende Kaffeeplantage (Kaffeeanbau seit ca. 1750) auf Jamaika und gilt als bester Erzeuger von Blue Mountain Coffee. Die Plantage teilt sich in zwei Bereiche auf „Top Mountain” mit 80 acres und „Bottom Mountain“ mit 111 acres Kaffeeanbau.

Die Bekanntheit diese Kaffees hat schon in der Vergangenheit häufig dazu geführt, dass kriminelle Verkäufer anderen Kaffee als JBM angeboten und auch verkauft haben. Hinzu kommen namentliche Verwechslungen, die durchaus häufig billigend in Kauf genommen werden. So gibt es auch in Kamerun einen „Blue Mountain District“, in dem Kaffee angebaut wird. Es ist in sofern also ein Unterschied, ob von einem “Blue Mountain Coffee” oder einem “Jamaica Blue Mountain” die Rede ist. Ein Schelm der Böses dabei denkt…

Eine weitere Rarität ist der Nepal Mount Everest Supreme aus dem Himalaya. 75 km nordwestlich von Kathmandu liegt die erste und einzige Kaffeeplantage Nepals und zugleich die nördlichste Kaffeeplantage der Welt. Für den Waschprozess wird ausschließlich das Schmelzwasser aus dem Fluß Trisuli im Einzugsbereich des Mount Ganesh verwendet. Der Kaffee wird zu 100 Prozent von Hand nachverlesen. Erst 1994 wurde Kaffee aus Papua-Neuguinea im Projekt Nepal Kaffee in der eher für Tee, Reis und Gemüse bekannten Region angepflanzt. Beim angebauten Kaffee handelt es sich um Coffea arabica var. caturra, der organisch auf einer Höhe von 2.200 – 2.400 Fuß über Meereshöhe angebaut wird. Das Anbaugebiet umfasst ca. 70 Hektar und soll um 30 Hektar bis 2010 erweitert werden. Exportiert wird in eigens hergestellten 50 Jutesäcken. Die Jahresproduktion liegt derzeit bei ca. 50.000 kg (ca. 1.000 Sack Kaffee).

Setzen wir unsere Weltreise zu den teuersten Kaffees der Welt fort und kommen nach Hawaii zum Kona-Kaffee. Kaffee wurde auf Hawaii 1813 erstmals auf Oahu von Don Francisco de Paula y Marin, der rechten Hand König Kamehameha, angebaut. Kona-Kaffee wird an der Westküste von Big Island auf Hawaii angebaut. Der hochpreisige Kona-Kaffee wird in der Kona-Region angebaut, die sich als schmaler Gürtel ca. 30 Meilen zwischen den Bergketten von Holualoa und Honanunau auf der Flanke des Mauna Loa erstreckt. Die besonderen Aromen werden durch die vulkanischen Böden und das sehr milde Klima begünstigt. Die wohl bekannteste Farm ist die Greenwell Private Reserve Estate. Die Anfänge der Greenwell Farm reichen bis ins Jahr 1850 zurück, als Henry Nicholas Greenwell gemeinsam mit seiner Frau Elizabeth Caroline die Plantage errichtete. Schon früh exportierte Greenwell Kaffee nach Europa und Amerika. Im Jahre 1873 zeichnete der österreichische Kaiser den Kaffee anlässlich der Weltausstellung in Wien sogar mit der Anerkennungsmedallie aus. Greenwell Estate baut heute Kaffee auf 60 Hektar im fruchtbarsten Bereich des Kona-Districts an. 

Die Galapagosinseln sind für sich genommen schon eine Weltsensation. Die Kaffees “Santa Cruz Estate Coffee” und “San Cristóbal Island“ stehen dem nicht nach. 1869 wurde von Manuel Cobos der erste Kaffee auf den Galapagosinseln angebaut. Es handelte sich dabei um Coffea arabica var. typica. Leider wurde wegen schwieriger wirtschaftlicher Zeiten der Anbau im Jahre 1915 eingestellt. Erst im Jahre 1990 entdeckte die Familie Gonzales die Plantage und leitete einen Wie der aufbau ein. 1995 erwarb die Familie die Pflanzung. 

Bis zum heutigen Tag stammt der überwiegende Anteil des Galapagos-Kaffees von San Cristóbal Island. Der Santa Cruz Estate Kaffee stammt, wie der Name vermuten lässt von der Insel Santa Cruz. Dem Santa-Cruz-Kaffee wird häufig ein süßerer Geschmack und ein volleres Aroma bescheinigt. Der Grund dafür ist wohl auf das besondere Mikroklima in der Mitte des Galapagosarchipels zurückzuführen. Auf Santa Cruz Estate wachsen immer noch die ersten Kaffeepflanzen, die französische Agronomisten 1875 angepflanzt hatten, damit stammt der Kaffee von über 130 Jahre alten Kaffeepflanzen. Diese alten Pflanzen sind ebenfalls ein Grund für den besonderen Character des Santa-Cruz-Estate-Kaffees. Durch den Schutz der UNESCO ist es auf den Galapagosinseln verboten, Pestizide oder Düngemittel einzusetzen. Eine andere Inselgruppe, die einen der teuersten Kaffees hervorbringt, sind die Kanarischen Inseln. Coffee wurde im Jahre 1788 durch einen Erlass König Carlos III. eingeführt. Heutzutage entsteht lediglich eine geringe Produktion im Tal von Agaete, im nordwestlichen Teil Gran Canarias. Neben dem Nepal Mount Everest Supreme handelt es sich um eine der nördlichsten Kaffeeplantagen der Welt, unmittelbar am Wendekreis des Krebses, und einzigen auf europäischem Hoheitsgebiet angebauten Kaffee. Die klimatischen Bedingungen sind ganzjährig mild und stabil mit wenig Regen. Die Temperaturen liegen ganzjährig zwischen 18 °C und 25 °C. Ideale Bedingungen für guten Kaffee. Beim angebauten Kaffee handelt es sich um die Sorte Arabica var. Typica, die ausschließlich Shadegrown – zwischen Mangos, Orangen, Papayas und Guaven wächst. Der Kaffee wird trocken aufbereitet und sonnengetrocknet. So erhält der Kaffee eine angenehme feine Säure mit milden Fruchtnoten und einen vollmundigen Körper. 

Beim Jacu Coffee handelt es sich um einen im wahrsten Sinne „tierischen Kaffee“ wie auch beim wesentlich bekannteren Kopi Luwak. Der Jacu-Vogel zählt ornithologisch zur Gruppe der Guane (25 Arten), bei denen es sich im Wesentlichen um den Weißstirnguan (Penelope superciliaris) handelt. Der Jacu lebt im Gebiet von Espirito Santo und im östlichen Teil von Minas Gerais, das an Espirito Santo grenzt. Der Jacu besiedelt in größeren Gruppen Schattenbäume und ernährt sich in der Zeit der Kaffeeernte gerne von reifen Kaffeekirschen. Dank seines Freßverhaltens vertilgt der Jacu ausschließlich idealreife Kirschen, was die hohe Qualität des Kaffees ausmacht. Es handelt sich daher um einen natürlichen Selektionsprozeß, der dem Kaffee seine besondere Note verleiht. Der Kaffee zeichnet sich durch einen süßen Geschmack mit sehr vollem Körper aus. Er zeigt Töne von Molasse, Schwarzbrot und Gewürztönen im Abgang. Es handelt sich um einen der seltensten Kaffees der Welt.

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crema-Magazin | Ausgabe 01/2009 – Luxuskaffess

Quelle: crema Magazin | Ausgabe 01/2009 | http://www.cremagazin.de | Chefredakteur: Heiko Heinemann | Text: Dr. Steffen Schwarz

 

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