Der Aufschwung von Robusta
Kaffeequalität wird auf den gängigen Packungen meistens mit den Wörtern hundert Prozent Arabica definiert. Selbst hundert Prozent Canephora (Robusta) kann fantastisch schmecken. Müsste vermutlich entfernt werden, weil es auf unseren Blog kommt
Zugegeben - Man muss schon fast verrückt sein, um gegen die universelle Kaffee-Marketingkeule 100 Prozent Arabica anzutreten – aber mir ist schon Schlimmeres passiert. Als ich mich heute Morgen auf den Weg machte, war sie wieder da – diese Nachricht, die so falsch und doch so bekannt ist: 100 Prozent Arabica-Qualität. Ich starre auf den Pappbecher mit Kaffee, den der junge Mann neben mir auf dem Bahnsteig in der Hand hält und möchte laut schreien. Dieser Automatismus, der zugleich platt, einfach und vermutlich daher so beliebt ist, muss dringend infrage gestellt und dann konsequent ausgemerzt werden.
Zunächst heißt Qualität (von lat. qualitas) lediglich „Beschaffenheit“, was damit im eigentlichen (lateinischen) Sinne ja gar nicht falsch sein kann, denn jedes Produkt ist irgendwie beschaffen. Es ist schlicht weg beschreibend, ohne eine Aussage über die Güte des Produktes zu machen – doch wird es eben meist so verstanden. Und die Verbreiter dieser Botschaft wollen, dass diese Nachricht so vom Empfänger verstanden wird. Eine bewusste Misskommunikation, die nur zu gerne als universelles Trojanisches Pferd des Kaffee-Marketings und selbst gefällige Pseudokennerschaft genutzt wird.
Der Hintergrund dieser Information ist ei ne „Güteabsolution“ für Kaffee, die vielen Röstereien sehr dienlich ist – zumindest auf kurze Sicht. Langfristig wird sich immer der Geschmack durch setzen und nicht jeder Arabica-Kaffee ist automatisch ein Qualitätskaffee.
Kein Winzer käme auf die Idee – und auch kein Weinhändler oder Weinkäufer –, alleine die Angabe der Art, z.B. Rotwein als hinreichende Aussage für eine gute oder hohe Qualität zu nutzen oder zu akzeptieren. Warum also ist dies bei Kaffee möglich? Eine Weinflasche mit einem Etikett „100 prozentige Rotwein-Qualität“ würde sicherlich niemals einen Käufer finden –höchstens einen Verbraucherschützer.
Und der Begriff Robusta, der als Sinnbild für schlechten Kaffee gilt, ist im doppelten Sinne falsch. Denn die Art, die neben der Coffea Arabica (ca. 65 Prozent Weltmarktanteil) die zweitwichtigste auf unserem Planeten ist, ist die Coffea Canephora (mit rund 35 Prozent Weltmarktanteil). Die Canephora wird leider weitläufig – und dennoch falsch – als Robusta bezeichnet.
Niemand würde aber Kennerschaft bei der Aussage „es gibt Rotwein und Riesling-Wein“ unterstellen. Richtig wäre es von Rot- und Weißwein zusprechen. Und so bezeichnet die Welt (selbst die Börsen in New York und London oder die ICO (International Coffee Organisation)) die Art Coffea Canephora bedauerlicherweise und falsch als Robusta. Ein kollektiver Kommunikationsunfall. Und schlimmer noch, denn dieser Information folgend wird der Arabica als gut und der Canephora als schlecht oder minderwertig dargestellt und empfunden. Das ist noch schlimmer als die falsche Nomenklatur. Um es kurz zu machen: Es gibt herausragende Canephora-Kaffees. Vollmundige, kräftige, feinherbe, karamellige Kaffees mit Nougat- und Cognacnoten. Ein echter Genuss. Nur kein Geschmack wie ein Arabica-Kaffee. Und wenn an diesem Standard gemessen wird, ist ein Canephora ein schlechter Arabica. Interessanterweise ist das überall so, denn ein Weißwein ist ein wirklich schlechter Rotwein … schon al leine die Farbe ist dann sehr schlecht ausgebildet.
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Niemand würde aber Kennerschaft bei der Aussage „es gibt Rotwein und Riesling-Wein“ unterstellen. Richtig wäre es von Rot- und Weißwein zusprechen. Und so bezeichnet die Welt (selbst die Börsen in New York und London oder die ICO (International Coffee Organisation)) die Art Coffea Canephora bedauerlicherweise und falsch als Robusta. Ein kollektiver Kommunikationsunfall. Und schlimmer noch, denn dieser Information folgend wird der Arabica als gut und der Canephora als schlecht oder minderwertig dargestellt und empfunden. Das ist noch schlimmer als die falsche Nomenklatur. Um es kurz zu machen: Es gibt herausragende Canephora-Kaffees. Vollmundige, kräftige, feinherbe, karamellige Kaffees mit Nougat- und Cognacnoten. Ein echter Genuss. Nur kein Geschmack wie ein Arabica-Kaffee. Und wenn an diesem Standard gemessen wird, ist ein Canephora ein schlechter Arabica. Interessanterweise ist das überall so, denn ein Weißwein ist ein wirklich schlechter Rotwein … schon al leine die Farbe ist dann sehr schlecht ausgebildet.
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Autor:
Dr. Steffen Schwarz
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